Gesundheitskompetenz und Patientenorientierung

Die Beteiligung von und die Orientierung an den Belangen von Patientinnen und Patienten sind für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem unverzichtbar. Ziel ist es, bei der Bedarfsermittlung die Gesundheitsbedürfnisse aller Menschen stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Eine Ärztin zeigt einer Frau etwas auf einem Röntgenbild.
Gesundheitskompetenz und Patientenorientierung© AlexRaths - istock

Die Patientinnen und Patienten sollen im Sinne der Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF) stärker in die Lage versetzt werden, ihre eigene gesundheitliche Situation zu verstehen, um das System der gesundheitlichen Versorgung optimal für sich zu nutzen. Nur auf einer informierten Grundlage mit Beratung und Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal ist es ihnen möglich, die für sie besten medizinischen Entscheidungen zu treffen.

Um mehr Patientenorientierung in das System zu bringen, sollen die Kommunikationsformen im Gesundheitswesen dahingehend verändert werden, dass im Verhältnis zwischen Rat suchenden Menschen und medizinischem Personal Hierarchien abgebaut und eine gleichberechtigte Kommunikation etabliert wird.

Die Beteiligung von Patientinnen und Patienten sowie deren Verbänden an der Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Patientinnen und Patienten wurden stärker in den Mittelpunkt gestellt und die notwendige Betroffenenperspektive in die Beratungen eingebracht. Diesen Weg gilt es fortzusetzen und Patientenbeteiligung auf allen Ebenen umfassend und systematisch zu stärken.

Von ebenso hoher Relevanz für die Patientinnen und Patienten ist die Patientensicherheit. Sie sorgt für ein sicheres Gesundheitssystem auf allen Ebenen und in allen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. Dabei ist sie eng mit einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung verbunden.

Gesundheitskompetenz stärken, Information und Kommunikation verbessern
Um die für sie passenden Entscheidungen in Fragen der eigenen Gesundheit zu treffen, brauchen Menschen eine gute Gesundheitskompetenz. Mit Gesundheitskompetenz ist dabei vorrangig die Fähigkeit gemeint, Informationen zum Themenfeld Gesundheit zu finden, zu verstehen und für sich anzuwenden. Diese Kompetenz ermöglicht den Menschen eine selbstbestimmte Teilhabe an den Angeboten des Gesundheitssystems sowie fundierte Mitsprache in gesundheitlichen Belangen. Gesundheitskompetenz hat viele Aspekte und schließt auch die Patientenkompetenz ein, also die Kenntnisse und Fähigkeiten, die für Patientinnen und Patienten im Falle einer Erkrankung wichtig sind, um sich in den Behandlungsprozess einzubringen. Nur so können sie ihre Patientenrechte geltend machen und die eigene Autonomie wahren. Ein wichtiger Aspekt von Gesundheitskompetenz ist auch das Wissen zu gesundheitsrelevanten Themen, das es den Menschen ermöglicht, Nutzen-Risiko-Abwägungen bezogen auf ihr eigenes Gesundheitsverhalten zu treffen oder auch Entscheidungen im Verlauf einer Behandlung zu fällen. Hierzu steht den Menschen eine Vielzahl von Informationsquellen zur Verfügung, auch immer mehr digitale. Für viele Menschen ist allerdings nicht immer erkennbar, ob die jeweiligen Quellen, anhand derer sie sich zu Gesundheitsthemen informieren, unabhängig und die angebotenen Informationen wissenschaftlich abgesichert sind. Ein wichtiges Anliegen des Bundesministeriums für Gesundheit ist es daher, allen Menschen einen Zugang zu verständlichen, zielgruppengerechten, qualitätsgesicherten und evidenzbasierten Gesundheits- und Patienteninformationen zu ermöglichen.

Auch im Austausch zwischen behandeltem und behandelndem Menschen ist Informationsübermittlung ein wichtiger Aspekt. Ein Dialog auf Augenhöhe, der die Interessen, Bedürfnisse und Wünsche der Patientinnen und Patienten aufnimmt, schafft die Voraussetzungen für eine PEF gemeinsam mit den Behandelnden. Dafür müssen die kommunikativen Kompetenzen der Beschäftigten in den Gesundheitsfachberufen gestärkt werden.

Ziel ist es, Gesundheitskompetenz auf allen Ebenen des Gesundheitssystems zu ermöglichen, zu unterstützen und zu fördern.

06_Info_Gesundheitskompetenz.JPG
Gesundheitskompetenz umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden. Ziel ist es, sich in gesundheitsbezogenen Belangen eine Meinung bilden und Entscheidungen treffen zu können.© BMG

Themen der Ressortforschung

  • Möglichkeiten zur individuellen Stärkung der Gesundheitskompetenz aufzeigen.
  • Ansätze zur allgemeinen Förderung der Gesundheits- und Patientenkompetenz erforschen.
  • Voraussetzungen für die Stärkung von Gesundheits- und Patientenkompetenz klären.
  • Ansätze zur Weiterentwicklung von Partizipation und Patientenbeteiligung untersuchen.
  • Gesundheits- und Patienteninformationen verbessern.
  • Potenziale der Weiterentwicklung des Verhältnisses zwischen behandelten und behandelnden Menschen erforschen.
Patientensicherheit erhöhen und Versorgungsqualität verbessern

Eine gute Gesundheitsversorgung zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Sicherheit der Patientinnen und Patienten stets im Fokus steht. Schäden und Risiken können so vermieden werden. Dies betrifft alle Sektoren der Versorgung. So können Hygienemaßnahmen im Krankenhaus dazu beitragen, gefährlichen Krankenhausinfektionen vorzubeugen und qualitätsgesicherte Schulungsprogramme die Diagnose- und Therapiesicherheit erhöhen. Niedrigschwellige Fehlermeldesysteme erleichtern im stationären wie im ambulanten Bereich die Meldung von unerwünschten Wirkungen und ermöglichen es, Risiken frühzeitig zu erkennen.

Für eine Qualitätsverbesserung im Sinne der Patientensicherheit sind Daten aus den verschiedenen Teilen des Versorgungsprozesses essenziell. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien können hier einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn es darum geht, die Patientensicherheitzu erhöhen. So können Register eingerichtet und die entsprechenden Daten genutzt werden, die es beispielsweise möglich machen, die Anwendungssicherheit von Medizinprodukten zu steigern. Ebenso können mithilfe eines elektronischen Medikationsplans oder der Überwachung der Sicherheit von Arzneimitteln (Pharmakovigilanz) gefährliche Wechselwirkungen vermieden werden. Auch für pharmakoepidemiologische Studien werden diese Daten verwendet, um erwünschte und unerwünschte Effekte einer breiten Arzneimittelanwendung zu untersuchen.

Die Sicherheit der Arzneimittelversorgung und der Arzneimitteltherapie hat maßgebliche Auswirkungen auf die Patientensicherheit. Hier bietet unter anderem die sektorenübergreifende Koordination der Arzneimitteltherapie einen Ansatzpunkt, um Patientinnen und Patienten vor vermeidbaren Schädigungen zu schützen. Ältere Menschen sind besonders anfällig für unerwünschte Ereignisse im Rahmen einer Arzneimitteltherapie.

Routinedaten können mithilfe digitaler Technologien, unter anderem auf Grundlage des Big-DataAnsatzes, ausgewertet werden und wertvolle Informationen liefern, die für die Patientensicherheit relevant sind.

Themen der Ressortforschung

  • Maßnahmen zur Stärkung der Patientensicherheit untersuchen und weiterentwickeln.
  • Datengrundlage zur Patientensicherheit im Gesundheitssystem erweitern.
  • Anwendungs- und Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln und Medizinprodukten erforschen.
  • Untersuchen, wie Langzeitsicherheit und Nachhaltigkeit bei Medizinprodukten überwacht und sichergestellt werden kann.