Demografischer Wandel und Pflege

Die Lebenserwartung steigt. Dies ist eine erfreuliche Nachricht und gleichzeitig eine Bestätigung der sehr guten Lebensbedingungen sowie der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Mit dem demografischen Wandel gehen neben der Alterung der Gesellschaft aber auch weitere Auswirkungen einher.

Rahmenplan Demografischer Wandel und Pflege
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Die Lebenserwartung steigt. Dies ist eine erfreuliche Nachricht und gleichzeitig eine Bestätigung der sehr guten  Lebensbedingungen sowie der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Mit dem demografischen Wandel gehen neben der Alterung der Gesellschaft aber auch weitere Auswirkungen einher.

So gestalten Menschen ihr Leben individueller, ziehen verstärkt in Ballungsräume, werden mobiler, leben aber auch immer häufiger alleine. Auf diese Veränderungen gilt es frühzeitig zu reagieren und heute schon eine demografiefeste Gesundheits- und vor allem Pflegeversorgung zu gestalten.

Dafür arbeitet das Bundesministerium für Gesundheit kontinuierlich an konkreten Verbesserungen für  Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Pflegepersonal. Erklärtes Ziel ist es, die Selbstständigkeit und das Wohlbefinden von Pflegebedürftigen zu stärken, Pflege- und Betreuungskräfte sowie Angehörige physisch und psychisch zu entlasten und einen Beitrag zu einer qualitätsvollen Pflege zu leisten.

Altern als Chance verstehen
Seit vielen Jahren steigt die durchschnittliche Lebenserwartung in den industrialisierten Ländern pro Jahr um drei Monate an. Dies ist auf verbesserte Lebensbedingungen mit ausreichend Ernährung und  nachhaltigen Hygiene- und Präventionsmaßnahmen zurückzuführen. Auch der medizinisch-technische Fortschritt trägt mit neuen Diagnose-, Therapie- und Rehabilitationsmöglichkeiten dazu bei, den Gesundheitszustand im Alter zu verbessern oder zumindest zu stabilisieren.

Ein längeres Leben geht auch mit einem Zugewinn an gesunden Jahren einher. Die Krankheitsphasen sind zeitlich in Richtung Lebensende verschoben. Das heißt für viele Menschen, bei guter Gesundheit ein  selbstbestimmtes und erfülltes Leben bis ins hohe Alter führen zu können. Dies deckt sich mit den  elementaren Lebenswünschen älterer Menschen, die zuhause wohnen bleiben, soziale Kontakte pflegen  und ein sicheres Leben führen wollen. Ziel ist, dass die Menschen bei guter Gesundheit altern und  entsprechend ihrer Bedürfnisse leben können.

Themen der Ressortforschung

  • Potenziale von Prävention, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Pflege für ein möglichst langes gesundes Leben herausarbeiten.
  • Forschung zur altersgerechten Prävention und Gesundheitsförderung in Pflegeheimen und im kommunalen Umfeld.
  • Mit Forschung die gesundheitsbezogenen Bedarfe und Bedürfnisse hochaltriger Menschen analysieren und gezielt adressieren.
Bis ins hohe Alter gut versorgt sein
Trotz der guten Aussichten auf ein gesundes Altern können gesundheitliche Einschränkungen dazu führen, im Alter pflegebedürftig zu werden. Chronische Erkrankungen stellen in diesem Zusammenhang besondere Herausforderungen dar. Insbesondere das Zusammentreffen verschiedener Erkrankungen oder Einschränkungen bei einer Person – die sogenannte Multimorbidität – steht im Fokus der Ressortforschung. Denn auch in solchen Situationen wollen die Menschen medizinisch und pflegerisch gut versorgt werden.
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Die Lebenserwartung in Deutschland nimmt weiterhin kontinuierlich zu. Neugeborene Mädchen hatten zwischen 2015 und 2017 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83 Jahren und zwei Monaten, neugeborene Jungen von 78 Jahren und vier Monaten. Damit können sie auf ein mehr als doppelt so langes Leben hoffen wie die zwischen 1871 und 1881 Geborenen.© BMG
Die (Alters-)Demenz hat einen sehr großen Einfluss auf die Lebensgestaltung der Betroffenen und deren Umfeld und zählt zu den Hauptursachen für das Eintreten von Pflegebedürftigkeit. Durch ein abgestimmtes Vorgehen beim Entwickeln und Umsetzen der Nationalen Demenzstrategie werden die Voraussetzungen für die bestmögliche Unterstützung der Betroffenen geschaffen, sowie Forschungsbedarfe eruiert.

Die Sicherheit von Patientinnen und Patienten ist in allen Lebensabschnitten von großer Bedeutung.
Bei der Versorgung im Alter gilt es, auch altersspezifische Risiken und Bedarfe zu berücksichtigen, wie beispielsweise das zunehmende Risiko von Stürzen, die Verfügbarkeit von altersgerechten  Darreichungsformen von Arzneimitteln oder der steigende Bedarf an Blutspenden. In unserer Gesellschaft werden die Menschen immer älter und zugleich steigt der Anteil der älteren Menschen. Darauf reagiert das Bundesministerium für Gesundheit und wirkt darauf hin, dass die Menschen bis ins hohe Alter eine gute medizinische Versorgung und Pflege erhalten.

Themen der Ressortforschung

  •  Entwicklung neuer Versorgungsansätze vor dem Hintergrund der Multimorbidität.
  • Nationale Demenzstrategie durch Forschung begleiten und umsetzen.
  • Forschung zur Patientinnen- und Patientensicherheit in Bezug auf altersspezifische Risiken.
  • Versorgungsaspekte des demografischen Wandels erforschen.
Teilhabe ermöglichen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass Gesundheit und Wohlergehen im Alter wesentlich durch das physische und soziale Umfeld bestimmt werden. Ältere Menschen schaffen es, trotz Einschränkungen oder chronischer Erkrankungen selbstständig und mit deutlich weniger Gesundheits- und Sozialfürsorge zu leben, wenn das Umfeld Unterstützung bietet. Es wird angestrebt, allen Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welchen Bildungsstands und welchen Wohnorts, eine bessere Teilhabe im Lebensumfeld zu ermöglichen. Insbesondere gilt es, Isolation und Einsamkeit im Alter zu vermeiden.

Der aktive Charakter von Teilhabe betrifft sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit, um zum Beispiel an Freizeitaktivitäten teilnehmen zu können, ebenso wie die Selbstbestimmung und die Möglichkeit, den neuen Lebensabschnitt aktiv gestalten zu können.

Themen der Ressortforschung

  • Analyse geeigneter Ansätze zur Sicherstellung der medizinischen und pflegerischen Versorgung in strukturschwachen Räumen.
  • Forschung zu versorgungsunterstützenden Mobilitätsangeboten vorantreiben.
  • Datenerhebung zum Einfluss individueller Wohnformen auf die aktive Teilhabe älterer Menschen.
  • Erforschen des präventiven Charakters stabiler sozialer Netzwerke in Bezug auf Depressionen im Alter.
  • Bedarfe von Menschen mit Migrationshintergrund durch Datenerhebungen aufzeigen und innovative Modelle erproben.
Versorgung demografiefest gestalten
Die Pflegebranche steht angesichts des demografischen Wandels vor besonderen Herausforderungen. Nach Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamts wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland in den nächsten Jahren weiter steigen. Somit nimmt auch die Nachfrage nach medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen zu.

Auf der anderen Seite stehen immer weniger Pflegende zur Verfügung, sodass in den Pflegeberufen zunehmend Fachkräfte fehlen. Dem muss rechtzeitig entgegen gewirkt werden. Für die Zukunft gilt es, eine innovationsfähige und bezahlbare pflegerische Versorgung auf Basis von validen Forschungsdaten zu gestalten und neue Wege zu gehen.

Menschen müssen für Gesundheitsberufe begeistert, Rahmenbedingungen verbessert und prozessuale und technologische Innovationen erprobt und in der Regelversorgung angewendet werden. Auf diese Weise wird die Versorgung demografiefest gestaltet.

Themen der Ressortforschung

  • Datengrundlage zu Auswirkungen des demografischen Wandels auf das Gesundheitssystem verbreitern.
  • Entwicklungen in der Verfügbarkeit von Fachkräften vorausschauend begleiten.
  • Regulatorische Herausforderungen erkennen und Lösungen entwickeln.
  • Innovationsanforderungen an Gesundheitsförderung und Prävention, Medizin und Pharmazie hinsichtlich Potenzialen und Risiken für die alternde Bevölkerung ergründen.
  • Durchführung von Analyse und Wirksamkeitsuntersuchungen zu neuen Versorgungsformen und zum Einsatz von digitalen Assistenzsystemen.
  • Analyse der Wirkungen gesetzgeberischer Maßnahmen in der Pflege.